Geschichte der Hochzeitstorte

Ursprünglich gab es keine üppigen Torten mit Sahne und Butter­creme, denn in früheren Zeiten wurde an diesem besonderen Tag ein Hochzeitskuchen verspeist. Ein Hochzeitsfladen, also Plattenkuchen oder Hochzeitslebzelten war von den Zutaten her ganz ähnlich unseren heutigen Lebkuchen – aus Mehl, Honig, Mandeln und allerlei Gewürzen. Es hieß, er zieht Zauber an und strahlt Duft und Segen der Götter und Engel aus.

In Thüringen wurde der Hochzeitskuchen mit einem Familien- oder Stadtwappen versehen und im ganzen Dorf herumgeschickt. Diese Hochzeitslebzelten galten als Symbol für reichen Kindersegen.
Interessant ist das unterschiedliche Brauchtum hinsichtlich der Zutaten und der Art des Verzehrs in den verschiedenen Regionen Europas. In den Ardennen zum Beispiel bekam jeder Gast beim Abschied einen ganzen Kuchen mit. In den Alpen gehörten zur Hochzeit sogenannte Wurfkuchen – Konfekt, Schifferln, Beugel und Zeltchen. Sie waren zur Versöhnung mit den Geistern und Seelen in den Lüften gedacht.

Als im Zuge der spanischen Eroberer Schokolade und Vanille auf den europäischen Markt gelangten, war auch der Weg frei für Torten und Kuchen, wie wir sie heute kennen. Auch die Buttercremetorte kam so zu Ehren. Je nach Region unterscheiden sich auch heute die Hochzeitstorten. So gibt es Waffeltorten und auch mit Windbeuteln gefüllte Köstlichkeiten. Mit einer reichen Füllung aus Honig und Nüssen soll eine gedeckte Torte in Polen Reichtum und Fruchtbarkeit symbolisieren.

Hochzeitstorte Sachsen-Anhalt

Die prachtvolle, mehrstöckige Hochzeitstorte im schneeweißen Zuckerguß- oder Marzipangewand hat ihre Wurzeln im angelsächsischen Raum. In England hat sich die Sitte des reichen “Wedding Cake” entwickelt. Dabei wurde schon damals in drei Lagen gebacken und der Kuchen musste noch drei Monate stehen um sein volles Aroma zu entwickeln.
Unverzichtbares Merkmal dieser Hochzeitstorte sind kleine Marzipansymbole der Liebe, zum Beispiel Herzen, Rosen und Tauben. In heutiger Zeit wird, gewissermaßen als Krönung, ein kleines Brautpaar aus Marzipan oder Plastik obenaufgesetzt.

Zur Geschichte des Tortenturmes gibt es eine hübsche Anekdote. Alle Gäste brachten damals zur Hochzeitsfeier ihren Kuchen mit, diese wurden dann übereinander gestapelt. Die Aufgabe des Brautpaares bestand darin, sich über dem Tortenturm zu küssen, ohne diesen einzureissen. Gelang diese kniffelige Aufgabe, so hatten sie in der Zukunft immer Glück. Je höher der Kuchenturm, desto höher war das Ansehen der Brautleute.

Der gemeinsame Anschnitt der Hochzeitstorte gilt als Symbol der Verbundenheit und ist zugleich für viele ein Höhepunkt zur Eröffnung der Festtafel. Um zu zeigen, dass man in Zukunft füreinander sorgen wird, soll sich das Brautpaar mit dem ersten Stück gegenseitig füttern. Wenn die Hochzeitstorte angeschnitten wird, liegen die Hände des Brautpaares gemeinsam auf dem Messer. Übrigens, wer von beiden die Hand oben hat, soll angeblich später den Ton in der Ehe angeben. Manche Brautpaare heben sich diesen besonderen Moment sogar bis Mitternacht auf, um der Feier so die Krönung zu geben. Eine schöne Tradition kommt aus England und Amerika, dort wird jedem Gast ein Stück der Hochzeitstorte mit nach Hause gegeben.